Deutsche Künstlerin findet Inspiration und ein Zuhause in Chinas „Porzellanhauptstadt“ - Xinhua | German.news.cn

Deutsche Künstlerin findet Inspiration und ein Zuhause in Chinas „Porzellanhauptstadt“

2026-07-01 11:31:15| German.news.cn
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Das Foto zeigt die deutsche Künstlerin Carola Schmidt bei der Präsentation ihrer Werke in ihrem Atelier im Sanbao International Ceramic Art Village in der Stadt Jingdezhen in der Provinz Jiangxi in Ostchina, 9. Mai 2026. (Xinhua/Cheng Di)

NANCHANG, 30. Juni (Xinhua) -- An einem Sommermorgen sitzt die deutsche Künstlerin Carola Schmidt in einer urigen Küche im Sanbao International Ceramic Art Village in Jingdezhen in der ostchinesischen Provinz Jiangxi an einem Holztisch, nimmt geschickt Nudeln mit Stäbchen auf und unterhält sich beim Frühstück mit Einheimischen.

Das herzhafte Frühstück markiert den Beginn von Schmidts Tagesablauf. Die 62-jährige deutsche Keramikkünstlerin hat einen weiten Weg nach Sanbao zurückgelegt und lebt nun schon seit fast einem halben Jahr in dem Dorf.

Schmidts Verbindung zu Jingdezhen begann mit einer Kindheitserinnerung an Blau-Weiß-Porzellan. „Als Kind war ich fasziniert von den großen blau-weißen Porzellanvasen, die mein Großvater zu Hause aufbewahrte. Diese tiefblaue Glasur blieb mir im Gedächtnis und verblasste nie“, sagte Schmidt. Angetrieben von dieser Kindheitserinnerung kam sie in Chinas Porzellanhauptstadt Jingdezhen, eine Stadt, deren Keramikgeschichte mehr als 2.000 Jahre zurückreicht.

Schmidt besuchte historische Brennöfen, erkundete Keramikmuseen und lernte von erfahrenen Handwerkern und tauchte so tief in die reiche Keramikkultur von Jingdezhen ein, während sie sich vom Rhythmus des Alltags inspirieren ließ. Sie mietete ein Haus und ein Atelier in Sanbao, die nur fünf Gehminuten voneinander entfernt liegen. Die meiste Zeit verbringt sie in ihrem Atelier und bemalt Porzellanfliesen und Reispapier.

„Das Leben hier ist langsam und friedlich. Es ist ganz anders als in den großen Städten“, sagte Schmidt. Sie lässt ihre Beobachtungen des Dorflebens in Sanbao in ihre Werke einfließen - die Gesten der Menschen beim Essen, das Krähen der Hähne im Morgengrauen, das Wachsen von Gemüse und Obst auf den Feldern. „Die schönen und authentischen Momente sind zur Quelle meines Schaffens geworden“, sagte sie.

Nachdem sie eine Reihe von Werken fertiggestellt hatte, veranstaltete Schmidt im Dorf eine Ausstellung mit dem Titel „NICHTS“. Das Wort symbolisiert in ihrer künstlerischen Vision „alles“ - ein Konzept, das ihrer Aussage nach von der chinesischen philosophischen Idee inspiriert ist, dass „alle Dinge unter dem Himmel aus dem Sein geboren werden und das Sein aus dem Nichtsein“.

Für die Ausstellung platzierte sie bewusst warmgelbe Leuchten auf dem Boden. Diese strahlten nach oben und schufen so eine warme, intime Atmosphäre anstelle einer kalten, klinischen Beleuchtung. „Ich wollte das Gefühl nachbilden, hier in Sanbao mit Freunden beim Essen um einen Tisch herumzusitzen“, sagte Schmidt.

Die Wärme, die Schmidt in Sanbao gefunden hat, ist zu einem großen Teil dem offenen, integrativen und vielseitigen kreativen Umfeld von Jingdezhen zu verdanken. Trotz anfänglicher Sprachbarrieren passen sich ausländische Künstler wie sie schnell an das lokale Leben an.

In den letzten Jahren haben die hochkarätigen Kunstausstellungen und kulturellen Austauschveranstaltungen, die regelmäßig in der Stadt stattfinden, mit der internationalen Ausrichtung und der künstlerischen Atmosphäre Jingdezhens Tausende ausländischer Künstler in die kleine Stadt gelockt. Allein das Sanbao International Ceramic Art Village hat bis heute über 80.000 Künstler aus mehr als 30 Ländern empfangen.

„Wir bieten Künstlern aus aller Welt nicht nur Ateliers, sondern auch ein Zuhause für ihre Kunst“, sagte Li Wenying, Mitbegründerin des Sanbao International Ceramic Art Village. „Viele Künstler aus Übersee wie Schmidt finden hier Inspiration und schlagen durch ihre Werke eine Brücke zwischen östlicher und westlicher Kunst.“

Im Laufe der Zeit ist Schmidt immer mehr Teil der lokalen Gemeinschaft geworden. Seit Kurzem praktiziert sie gemeinsam mit älteren Dorfbewohnern Baduanjin und Tai Chi, traditionelle Formen chinesischer Bewegungsübungen, die für ihre gesundheitsfördernde Wirkung bekannt sind, und trainiert jeden Morgen mindestens eine Stunde lang. In ihrer Freizeit sitzt sie mit Nachbarn im Innenhof, trinkt Tee und unterhält sich. „Ich möchte nicht nur für eine Weile hierbleiben“, sagte Schmidt mit einem Lächeln. „Ich hoffe, dass meine Werke und ich wirklich Teil dieses Ortes werden können.“

NANCHANG, 30. Juni 2026 (Xinhua) -- Das Foto zeigt die deutsche Künstlerin Carola Schmidt bei der Arbeit in ihrem Atelier im Sanbao International Ceramic Art Village in der Stadt Jingdezhen in der Provinz Jiangxi in Ostchina, 9. Mai 2026. (Xinhua/Cheng Di)