Antirussische Stimmung in Deutschland nimmt in der Ukraine-Krise zu - Xinhua | German.news.cn

Antirussische Stimmung in Deutschland nimmt in der Ukraine-Krise zu

German.news.cn| 2022-05-14 11:02:23| 新华网
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Zwei Polizeifahrzeuge parken in der Nähe einer Statue am Sowjetischen Kriegerdenkmal im Treptower Park in Berlin, 5. Mai 2022. (Xinhua/Shan Yuqi)

BERLIN, 12. Mai (Xinhua) -- "Natürlich mache ich mir Sorgen, dass mir etwas Schlimmes zustoßen könnte", sagte Nina, die aus Russland stammt und in Deutschland arbeitet, Ende April im Berliner Treptower Park zu Xinhua.

Auf die Frage, ob sie von den antirussischen Vorfällen, die seit dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikts in der deutschen Presse, im Fernsehen und im Internet erschienen sind, gehört oder mitbekommen habe, wirkte Nina empört.

"Aber ich glaube, dass die Menschen hier nichts Böses im Sinn haben. Es gibt Hass oder Diskriminierung, weil jemand sie manipuliert hat", fügte Nina hinzu.

Der Treptower Park, südöstlich vom Zentrum Berlins gelegen, ist ein beliebter Ort bei den Einheimischen. Auf der großen Freifläche befindet sich auch Deutschlands größtes sowjetisches Ehrenmal, das 1949 zum Gedenken an die sowjetischen Soldaten errichtet wurde, die während des Zweiten Weltkriegs in der Schlacht um Berlin gefallen sind.

Im April dieses Jahres wurde das symbolträchtige Denkmal jedoch zweimal von unbekannten Vandalen mit beleidigenden Parolen verunstaltet, wobei die roten Buchstaben trotz der Bemühungen, sie zu entfernen, immer noch vage sichtbar sind.

Als Reaktion darauf errichtete die Polizei einen Sicherheitszaun um den Tatort, und Beamte patrouillieren regelmäßig in der Gegend. Nach Angaben der Polizei wurden einige Scheinwerfer installiert, um nachts für Sicherheit zu sorgen.

Ebenfalls Ende April sollte ein pro-russischer Marsch an der Gedenkstätte vorbeiziehen, der jedoch in letzter Minute abgesagt wurde, während nur wenige Kilometer entfernt auf dem Berliner Alexanderplatz eine pro-ukrainische Demonstration stattfand. Die Demonstranten schwenkten ukrainische Fahnen und riefen russlandkritische Parolen.

Als eine Passantin - Nadezhda, eine technische Beraterin aus Russland - "für Russland" rief, wurde sie sofort mit Buhrufen bedacht.

"Ich bin mit einem deutschen Mann verheiratet", sagte Nadezhda gegenüber Xinhua. "Unsere Tochter ist Deutsche und Russin. Letzten Monat wurde eine russische Sprachschule in dem Wohngebiet, in dem wir leben, in Brand gesetzt. Unsere Tochter ist noch jung. Wie kann ich mit einer solchen Bedrohung leben?"

Die Internationale Lomonossow-Schule (ILS), auf die sich Nadezhda bezog, befindet sich in einem überwiegend von Russen bewohnten Stadtbezirk im östlichen Teil Berlins. In einer Nacht im März wurde der Eingangsbereich der Sporthalle der Schule mit einem Molotow-Cocktail angegriffen.

"Eine offenbar politisch motivierte Tat gegen Kinder ist verabscheuungswürdig und besorgniserregend", sagte der Bezirksbürgermeister in einer Erklärung. " Wir dürfen nicht zulassen, dass sich der Hass auf den Krieg […] gegen Menschen mit vermeintlichen oder tatsächlichen russischen Wurzeln richtet."

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) leben derzeit rund 235.000 russische Staatsbürger in Deutschland. Einwanderungsexperten schätzen die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen, deren Muttersprache Russisch ist oder die diese Sprache fließend sprechen, auf 2,2 Millionen.

Holger Münch, Leiter des Bundeskriminalamtes (BKA), erklärte Mitte April gegenüber der Presse, es würden wöchentlich rund 200 Vorfälle - hauptsächlich Bedrohungen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen - in ganz Deutschland gezählt, die sich "sowohl gegen russischstämmige als auch gegen ukrainischstämmige Mitglieder unserer Gesellschaft" richten würden.

Claudius, Betreiber eines Restaurants mit russischen Spezialitäten in Berlin-Mitte, hat sich kürzlich bei lokalen Medien darüber beschwert, dass sein Lokal Anfeindungen wie bedrohliche oder beleidigende Anrufe oder beleidigende Online-Bewertungen ertragen musste.

"Wir selbst haben nichts mit dem Krieg zu tun. Wir sind gegen den Krieg", sagte Claudius, zu dessen Mitarbeitern auch Menschen ukrainischer Abstammung gehören.

Die zunehmenden Spannungen zwischen dem pro-russischen und dem pro-ukrainischen Teil der Öffentlichkeit sind sogar auf den Bereich der Kultur und Kunst übergeschwappt. Während große Museen, Konzerthäuser, Bibliotheken und Galerien in Berlin die ukrainische Flagge hissen, werden in ganz Deutschland immer mehr Auftritte und Ausstellungen russischer Sänger, Künstler und bildender Künstler abgesagt.

Anfang März wurde der renommierte russische Dirigent Valery Gergiev von seinem Posten als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker enthoben, nachdem er sich nach einem Ultimatum der Münchner Stadtverwaltung nicht klar "von dem brutalen Angriffskrieg" distanziert hatte.

"Selbst russischstämmige Kinder in deutschen Schulen mussten als billiges Ventil" für Russophobie herhalten, sagte Berndt Schmidt, Intendant des historischen Berliner Friedrichstadt-Palast-Theaters, in einem aktuellen Kulturkommentar. "Selbst verstorbene (russische) Literaten und Komponisten mussten dran glauben."

Vor dem Brandenburger Tor, in dessen Nähe sich die Botschaften der USA, des Vereinigten Königreichs, Frankreichs und Russlands befinden, erklärte Cornelia, eine pensionierte Berlinerin, die ein Anti-Kriegs-Transparent hielt, gegenüber Xinhua: "Ich bin gegen jeden Krieg und Hass [...] Aber ich denke, dass gerade wir Deutschen klar darüber nachdenken müssen, wer den Krieg wirklich verursacht hat und wer jetzt dafür bezahlt."

(gemäß der Nachrichtenagentur Xinhua)

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