
Das Foto zeigt eine Gedenktafel in Wien für Ho Feng-Shan, den ehemaligen chinesischen Generalkonsul in Österreich, 19. August 2025. (Xinhua/He Canling)
WIEN, 12. Januar (Xinhua) -- Ho Feng-Shan, der chinesische Diplomat, der lebensrettende Visa ausstellte, um Juden vor Nazi-Deutschland zu schützen, stellte Humanismus über alles andere und sollte ein Vorbild für die Menschen sein, sagt Barbara Staudinger, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, in einem Exklusivinterview mit Xinhua.
Als Nazi-Deutschland 1938 Österreich annektierte, begann im Land die brutale Verfolgung der jüdischen Einwohner und Antifaschisten. „Ganz knapp nach dem sogenannten ‚Anschluss‘ wurden schon Menschen ins Konzentrationslager verschleppt“, erklärte Staudinger. Juden, die noch nicht verhaftet worden waren, wollten unbedingt ins Ausland fliehen. Zu dieser Zeit hätten jedoch viele andere Länder die Aufnahme von Juden bereits abgelehnt oder eingeschränkt, da ihre Bevölkerung antisemitisch eingestellt gewesen sei, sagte sie.
In dieser kritischen Situation blieb Ho Feng-Shan, der chinesische Generalkonsul in Wien, nicht untätig. „Aus einem tiefen Humanismus heraus hat er sein Leben aufs Spiel gesetzt, um diesen Menschen zu helfen“, sagte Staudinger. Von 1938 bis 1940 stellte Ho eine große Anzahl von Visa für Juden aus, damit sie das Land verlassen konnten.
Staudinger betonte, dass inmitten des extremen Terrors der Nazis das Angebot, ins Ausland zu fliehen, besonders bemerkenswert gewesen sei. Viele kamen nach Shanghai in China, um ein neues Leben zu beginnen, und wurden vom chinesischen Volk freundlich aufgenommen.
Dafür sah sich Ho einem immensen politischen Druck ausgesetzt. Das Nazi-Regime beschlagnahmte sogar das Gebäude des Generalkonsulats unter dem Vorwand, es habe ursprünglich jüdischen Eigentümern gehört. Er gab jedoch nicht auf, mietete neue Räumlichkeiten in der Nähe und stellte bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt weiterhin Visa aus.
Ho blieb hinsichtlich seiner heldenhaften Taten zurückhaltend. Er habe sich nie als Held präsentiert; für ihn sei es einfach das Richtige gewesen, sagte Staudinger. Diese Geschichte wurde erst nach Hos Tod im Jahr 1997 allmählich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Österreich hat diese Freundschaft nicht vergessen. Im Jahr 2020 veranstaltete das Jüdische Museum Wien eine Sonderausstellung mit dem Titel „Die Wiener in China. Fluchtpunkt Shanghai“, die die Geschichte der österreichischen Juden zeigte, die in China Zuflucht suchten. Das Museum veröffentlichte auch ein Buch zu diesem Thema, in dem Hos Geschichte und das Foto eines der von ihm ausgestellten Visa enthalten sind.
Unter den österreichischen jüdischen Flüchtlingen, die in Shanghai Zuflucht fanden, war ein Arzt namens Jakob Rosenfeld. Bevor er nach China kam, war er wegen seiner Teilnahme an antifaschistischen Protesten verhaftet worden. Während seines Aufenthalts in Shanghai verfolgte er aufmerksam den Kampf des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression. 1941 wagte er sich trotz der japanischen Blockadelinien in den Norden der Provinz Jiangsu, um sich der Neuen Vierten Armee anzuschließen, einer bewaffneten Widerstandsgruppe gegen die japanische Invasion. Dort behandelte er unzählige chinesische Soldaten und Zivilisten.
„In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die bereit sind, ihr eigenes Leben und ihre eigene Karriere zu riskieren, um anderen Menschen zu helfen“, sagte Staudinger. Selbst in Auschwitz hätten die Menschen ihr Brot geteilt - obwohl sie gewusst hätten, dass sie selbst hungern würden, hätten sie dennoch anderen geholfen, sagte sie. Ho Feng-Shan und Rosenfeld seien solche Menschen gewesen, die Humanismus über alles stellten und entschlossen gegen den Faschismus kämpften, um die Gleichheit der Menschen und die globale Gerechtigkeit zu verteidigen, sagte Staudinger.
In einer Zeit, in der einige Augenzeugen dieser Geschichten sterben würden, „ist es wichtig, diese Menschen wieder in den Vordergrund zu bringen, als Vorbilder für uns alle“, sagte Staudinger. Wir würden Menschen mit einem solchen humanitären Geist brauchen, sagte sie.
