Der chinesische Außenminister Wang Yi, der auch Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas ist, hält eine Rede im Rahmen der Veranstaltung „China in the World“ auf der Münchner Sicherheitskonferenz, 14. Februar 2026 (Xinhua/Du Zheyu)
MÜNCHEN, 16. Februar (Xinhua) -- Auf der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) kehrten die Gespräche immer wieder zu einem gemeinsamen Anliegen zurück: Wie kann eine zunehmend fragil erscheinende internationale Ordnung stabilisiert werden?
Vor diesem Hintergrund ist Chinas Forderung nach Stabilität, Multilateralismus und praktischer Zusammenarbeit Teil einer umfassenderen Suche nach Orientierung.
Die internationale Ordnung steht unter sichtbarem Druck, Regeln werden in Frage gestellt und Unilateralismus ist auf dem Vormarsch. Der Bericht der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz mit dem Titel „Under Destruction“ unterstreicht diesen Trend und beschreibt eine Welt der „Abrissbirnenpolitik“, in der die Vereinigten Staaten als bedeutender Destabilisierungsfaktor auftreten und etablierte internationale Regeln untergraben.
Die Stimmen auf der Konferenz spiegelten diese Besorgnis wider. Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, merkte an, dass sich die transatlantischen Beziehungen an einem kritischen Wendepunkt befänden. Bundeskanzler Friedrich Merz warnte, die transatlantische Partnerschaft habe „ihre Selbstverständlichkeit verloren”, was auf Risse in den Beziehungen Europas zu Washington hindeutet.
Doch die Unruhe reicht weit über das Atlantische Bündnis hinaus. Mit dem Vormarsch von Unilateralismus und Machtpolitik sind die Grundlagen für globalen Frieden und Wohlstand zunehmend unsicher. In dieser turbulenten Zeit ist das weltweite Bedürfnis nach Stabilität und Vorhersehbarkeit dringender denn je.
Vor diesem Hintergrund treten Chinas Stabilität und Pragmatismus hervor. Bei der „China Session“ am Samstag schlug der chinesische Außenminister Wang Yi vier zentrale Prioritäten vor: die Wiederbelebung des Systems der Vereinten Nationen, die Förderung der Zusammenarbeit und Kooperation aller Länder, die Aufrechterhaltung des Multilateralismus sowie die Beendigung von Konflikten und die Förderung des Friedens.
Chinas Ansatz, wie er in München dargelegt wurde, leugnet weder Wettbewerb noch Meinungsverschiedenheiten. Vielmehr betont er Dialog statt Entkopplung und Koordination statt Konfrontation.
Die Wiederbelebung des Systems der Vereinten Nationen unterstreicht die wichtige Erkenntnis, dass globale Herausforderungen, vom Klimawandel über die öffentliche Gesundheit bis hin zur finanziellen Volatilität, nicht allein durch exklusive Blöcke bewältigt werden können.
Der Schwerpunkt auf der Beendigung von Konflikten und der Förderung des Friedens spiegelt auch ein allgemeineres Muster wider. In den letzten Jahren hat es sich China zur Aufgabe gemacht, sich für eine politische Lösung in Krisenherden vom Nahen Osten bis zur Ukraine einzusetzen. Dabei vertritt das Land die Auffassung, dass dauerhafte Sicherheit nicht auf einem Nullsummenspiel aufgebaut werden kann.
Ebenso bemerkenswert ist die Betonung von Zusammenarbeit und Multilateralismus als stabilisierende Kraft. Die Probleme, mit denen das heutige internationale System konfrontiert ist, liegen nicht bei den Vereinten Nationen selbst, sondern bei bestimmten Ländern, die Spaltungen verstärken, Blockkonfrontationen verfolgen und an einer Denkweise aus dem Kalten Krieg festhalten, wodurch das Vertrauen untergraben und die Zusammenarbeit beeinträchtigt wird. Der Schutz des Multilateralismus erfordert die Suche nach Gemeinsamkeiten bei gleichzeitiger Achtung der Unterschiede. Vielfalt sollte zu Dialog und einer für alle Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit führen und nicht zu Zwietracht.
Wangs Berufung auf die konfuzianische Idee - dass es genau wie im Umgang zwischen Gentlemen Harmonie ohne Einheitlichkeit geben kann - unterstrich auch die zentrale These, dass Koexistenz keine Konformität erfordert und dass Zusammenarbeit trotz Unterschieden bestehen kann.
Diese Botschaft fand Anklang bei vielen Teilnehmern, die sich mit einer Welt auseinandersetzen, die nicht mehr auf klaren Gewissheiten basiert. In einem von Fragmentierung geprägten Umfeld liegt der Reiz der „Harmonie ohne Einheitlichkeit“ nicht in der Rhetorik, sondern in ihrer Praktikabilität: Sie bietet einen Rahmen für den Umgang mit Unterschieden, ohne dass diese zu Spaltungen führen.
Die Ängste auf der Münchner Sicherheitskonferenz spiegeln eine fragmentierte Weltordnung wider. In diesem Zusammenhang bietet Chinas Bekenntnis zur Stabilität mehr als nur Beruhigung; es ist ein verlässlicher Anker für internationale Zusammenarbeit und ein Prüfstein für Vorhersehbarkeit.
