
Ein Roboter zeigt das Einfädeln eines Fadens in eine Nadel auf der World Intelligence Expo 2026 in Tianjin in Nordchina, 28. Mai 2026. (Xinhua/Li Ran)
TIANJIN, 2. Juni (Xinhua) -- In der Ausstellungshalle für verkörperte Intelligenz winkte ein humanoider Roboter, interagierte reibungslos mit den Besuchern und zog eine Menge Schaulustiger an. Eine deutsche Besucherin, Andrea Rösinger, hob wiederholt ihr Handy, um die Szene festzuhalten.
Rösinger ist in China, um an der World Intelligence Expo 2026 teilzunehmen, die vom 28. bis 31. Mai in der nordchinesischen Stadt Tianjin stattfand.
Da Rösinger seit Jahrzehnten im Bereich der digitalen Technologien tätig ist, interessiert sie sich nicht nur für den Roboter selbst, sondern auch dafür, wie Roboter und Menschen in Zukunft in verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten könnten.
Vor etwa 20 Jahren, als Rösinger zum ersten Mal nach China kam, war sie in der Softwareentwicklung und bei digitalen Lösungen für Unternehmen tätig. Damals war die digitale Transformation ein Ziel, das viele Unternehmen anstrebten. Heute sieht sie, wie Künstliche Intelligenz den industriellen Wandel in einem beispiellosen Tempo vorantreibt.
„Auf dieser Messe können wir die Integration von KI und Robotik in vielen Bereichen beobachten, beispielsweise im Gesundheitswesen und in der Fertigung. Mein Eindruck ist, dass China in der Robotikbranche führend ist und rasante Fortschritte im Bereich der KI macht“, erklärte Rösinger gegenüber Xinhua.
Auf einer Fläche von 130.000 Quadratmetern umfasst die Messe sechs thematische Ausstellungshallen und einen umfassenden Ausstellungsbereich, der sich auf KI-Kerntechnologien, verkörperte Intelligenz, intelligente vernetzte Fahrzeuge, die Wirtschaft im bodennahen Luftraum und die kommerzielle Luft- und Raumfahrt, intelligente Fertigung sowie Smart Living konzentriert. Mehr als 700 internationale Unternehmen und Organisationen aus aller Welt nahmen an der Veranstaltung teil.
Von großen Sprachmodellen und humanoiden Robotern bis hin zu intelligenten Fabriken und der Wirtschaft im bodennahen Luftraum - die ausgestellten neuesten Technologien, Produkte und Anwendungsszenarien haben die Messe zu einem Schaufenster gemacht, durch das internationale Teilnehmer Chinas Innovationskraft und zukünftige industrielle Entwicklung erkennen können.
„China ist nicht nur ein riesiger Markt, sondern auch ein wichtiger globaler Motor für Innovation und Fertigung“, sagte Rainer Kern, Regional Chief Financial Officer und Vice General Manager bei Kärcher China.
Bei seinem Besuch der Messe zeigte sich Kern besonders daran interessiert, die zukünftige Ausrichtung von KI-Technologien zu verstehen und zu erfahren, wie sich die industrielle Infrastruktur in den kommenden Jahren entwickeln könnte.
Kerns Ansicht nach hat das Tempo der KI-Entwicklung die Erwartungen vieler Menschen übertroffen. „Früher dauerten technologische Weiterentwicklungen oft drei bis fünf Jahre. Heute sind Dinge, die noch vor einem halben Jahr unmöglich schienen, bereits Realität geworden.“
„KI kann Forschungs- und Entwicklungszyklen erheblich verkürzen. Heute kann man KI-Tools wie DeepSeek nutzen, um Marktforschung viel effizienter zu betreiben und Einblicke in Marktbedingungen, Kundennachfrage, historisches Kaufverhalten und wahrscheinliche zukünftige Markttrends zu gewinnen“, sagte Kern.
Als globaler Anbieter ressourcenschonender Reinigungssysteme schätzt Kärcher Chinas umfassende industrielle Lieferketten, die Fähigkeit, neue Technologien schnell einzuführen, sowie das enorme Marktpotenzial des Landes.
Was internationale Unternehmen an China reizt, ist nicht nur die Größe des Marktes, sondern auch sein dynamisches Innovationsökosystem und die sich kontinuierlich erweiternden industriellen Kapazitäten.
Hendrik Krüger, Geschäftsführer von X Control, einem in Hamburg ansässigen Unternehmen, das sich auf digitale Lösungen für die Kreuzfahrtbranche spezialisiert hat, reiste als Teil einer deutschen Wirtschaftsdelegation nach Tianjin, um neue Partnerschaften zu knüpfen.
„Wir suchen aktiv nach Kooperationsmöglichkeiten mit chinesischen Unternehmen“, sagte Krüger und bekundete Interesse an einer Zusammenarbeit mit chinesischen Kreuzfahrtunternehmen, um umfassendere Kooperationsmöglichkeiten zu erkunden.
Für Krüger ist Künstliche Intelligenz bereits tief in nahezu jeden Aspekt der Geschäftsabläufe integriert. Von der Softwareentwicklung über Qualitätssicherung und Cybersicherheitsmanagement bis hin zu Kundenservice und Betriebsanalysen hilft KI-Unternehmen dabei, ihre Effizienz zu steigern und Entscheidungsprozesse zu optimieren.
„Ich bin besonders beeindruckt von dem Open-Source-Ansatz, den viele chinesische KI-Innovationen verfolgen“, sagte Krüger. Chinesische Unternehmen würden offene Ökosysteme aktiv fördern, und diese Offenheit schaffe neue Möglichkeiten für internationale Zusammenarbeit.
Eine kürzlich gemeinsam von der Europäischen Handelskammer in China und dem Beratungsunternehmen Roland Berger veröffentlichte Umfrage zeigt Anzeichen für ein wachsendes Vertrauen unter den in China tätigen europäischen Unternehmen. Chinas dynamisches Ökosystem für Forschung und Entwicklung, der riesige Talentpool und die Fähigkeiten zur schnellen Produktkommerzialisierung ziehen eine wachsende Zahl europäischer Unternehmen an, die hier ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aufbauen und ausweiten.
Dieser Trend zeigt sich auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz.
Da Künstliche Intelligenz rasch von technologischen Durchbrüchen zu industriellen Anwendungen übergeht, betrachten immer mehr europäische Unternehmen China als wichtigen Standort, um zukünftige technologische Entwicklungen zu verstehen, und chinesische Unternehmen als Innovationspartner, sagte Jens Eskelund, Präsident der Europäischen Handelskammer in China.





