LHASA, 2. Juli (Xinhua) -- Achtundvierzig Stunden. So lange braucht ein Güterzug, beladen mit Waren aller Art - von Autos bis hin zu gekühlten Frischprodukten -, um von Xining, der Hauptstadt der nordwestchinesischen Provinz Qinghai, nach Lhasa, der Hauptstadt des Autonomen Gebiets Xizang im Südwesten Chinas, zu gelangen.
Züge dieser Art verkehren regelmäßig auf der 1.956 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Qinghai und Xizang und erleichtern den Warenfluss zum und vom Plateau, das für seine große Höhe und seine rauen Umweltbedingungen bekannt ist.
Laut Ji Min, einem Disponenten, der im Logistikzentrum der Eisenbahn in Xining arbeitet, lässt sich die Beliebtheit der Bahnstrecke am besten an ihrem steigenden Frachtumschlag ablesen. Im Jahr 2006, als die Bahnstrecke gerade erst eröffnet wurde, waren es weniger als 500 Container pro Monat, die nach Xizang transportiert wurden. Heute seien es mehr als 500 an einem einzigen Tag, sagte Ji.
„Wir können jetzt jeden Tag einen Zug nach Xizang fahren lassen“, sagte Ji. „Die Transportkosten sind um etwa 60 Prozent gesunken.“
Am 1. Juli 2006 wurde die Bahnstrecke zwischen Qinghai und Xizang bis Lhasa in Betrieb genommen und beendete damit Xizangs lange Geschichte ohne Zugverbindung. Was vor zwei Jahrzehnten als Schnellverbindung zum Plateau begann, hat sich inzwischen zur Hauptverkehrsader eines umfassenderen Bahnnetzes in Xizang entwickelt. Der Abschnitt zwischen Xining und Golmud wurde modernisiert und elektrifiziert. Unabhängig davon haben neue Linien den Schienenverkehr von Lhasa nach Xigaze und Nyingchi erweitert. Im Jahr 2024 hatte Xizang in Betrieb befindliche Eisenbahnstrecken mit einer Länge von über 1.359 Kilometern, fast doppelt so viel wie die 701 Kilometer, die noch im Jahr 2012 verzeichnet wurden.
Während die Bahnstrecke zwischen Qinghai und Xizang ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, strebt China ein noch umfangreicheres und effizienteres Eisenbahnnetz auf dem Plateau an. Derzeit werden weitere Abschnitte der Bahnstrecken zwischen Sichuan und Qinghai sowie zwischen Yunnan und Xizang gebaut oder sind in Planung.
Der Verkehr zwischen dem Plateau und dem übrigen China war lange Zeit schwierig. In den frühen 1950er Jahren benötigten Kamelkarawanen, die Getreide transportierten, drei oder vier Monate für die Reise von Qinghai nach Lhasa. Im Jahr 641 n. Chr., als Prinzessin Wencheng den weiten Weg von Chang’an (der heutigen Stadt Xi’an im Nordwesten Chinas) zurücklegte, um in Lhasa den tibetischen König Songtsen Gampo zu heiraten, dauerte ihre Reise über hoch aufragende Gebirgsketten und weite Graslandschaften mehr als zwei Jahre und drei Monate.
Für Losum Tsering, einen tibetischen Lokführer aus dem Kreis Zogang in Qamdo, bedeutet der Ausbau des Bahnnetzes nicht nur eine Zunahme von Zügen und Bahnhöfen. Er spiegelt den Verlauf seines eigenen Lebens wider.
Losum Tsering wurde in eine Bauern- und Hirtenfamilie hineingeboren und verließ mit 13 Jahren nach Abschluss der Grundschule sein Zuhause. Zum ersten Mal in seinem Leben fuhr er mit dem Zug nach Wuhan in Zentralchina, wo er kostenlos an einem für Schüler aus Xizang eingerichteten Mittelschulprogramm teilnahm.
Diese Reise inspirierte Losum Tsering dazu, Lokführer zu werden.
Nach seinem Abschluss an einer Fachschule für Bahntechnik begann Losum Tsering 2003 seine Tätigkeit im Lokomotivdepot Xining der China Railway Qinghai-Xizang Group Co., Ltd. Im Jahr 2010 begann er, Güterzüge zwischen Xining und Golmud zu fahren, wobei er auf einer Strecke Güter des täglichen Bedarfs transportierte und auf der anderen Strecke Kalidünger, Erdöl und andere Produktionsmaterialien zurückbrachte.
Im Jahr 2015 wechselte Losum Tsering zu Personenzügen. Er erinnerte sich, dass viele Touristen aus anderen Teilen Chinas diesen Zug nutzten, um das Plateau zu erreichen. Eine Reise, die lange Zeit mit Entbehrungen verbunden war, wurde Teil des alltäglichen öffentlichen Reiseverkehrs.
Zwei Jahre später begann Losum Tsering, Triebzugverbände zwischen Xining und Lanzhou, der Hauptstadt der Provinz Gansu, die ebenfalls im Nordwesten Chinas liegt, zu fahren. Die Strecke ist von Bedeutung, da sie eine der Hauptverbindungen des Bahnnetzes auf dem Plateau zu Provinzen jenseits von Qinghai und Xizang darstellt. Was früher eine dreistündige Fahrt mit einem konventionellen Zug gewesen sei, sagte er, könne dank dieser Strecke auf etwa eine Stunde und 20 Minuten verkürzt werden.
Er hoffe, eines Tages einen solchen Elektrozug bis nach Lhasa fahren zu können, sagte Losum Tsering.
Diese Möglichkeit rückt näher. Anfang dieses Jahres wurde ein Projekt zur Stromversorgung gestartet. Nach seiner Fertigstellung wird es den Bahnbetrieb stabil mit Strom versorgen und den Dieselantrieb auf der Strecke weiter durch Elektroantrieb ersetzen.
Einige der deutlichsten Anzeichen für den Wandel lassen sich vom Zugfenster aus beobachten - auf Märkten, in Güterbahnhöfen und im Alltag der Menschen, die sich mittlerweile auf die Züge verlassen.
In der Nähe des Bahnhofs von Xining feilschen Händler auf einem Markt für chinesischen Raupenpilz noch immer so, wie es in diesem Gewerbe üblich ist. Beide Hände werden mit einem Handtuch bedeckt, die Finger bewegen sich darunter, und der Preis wird dann durch Gesten und Blicke vereinbart.
Doch das alte Verhandlungsritual findet nun in einem viel schnelleren Handelsumfeld statt. Ma Ke, ein Händler, der seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt tätig ist, berichtete, er habe früher tagelang in ländliche Gebiete fahren müssen, um wertvolle Heilkräuter zu sammeln. Heute könnten die Hirten mit ihrer Ernte per Zug anreisen, und vom Markt versandte Pakete würden viele Teile Chinas bereits am nächsten Tag erreichen.
In Lhasa hat sich der Güterbahnhof am Westbahnhof von einem Ort, der einst von offenem Gelände und unbefestigten Straßen umgeben war, zu einem modernen Logistikpark mit elf Güterverkehrslinien entwickelt. Die über diese Strecke transportierten Güter beschränken sich nicht mehr auf Grundversorgungsgüter wie Kraftstoff, Stahl und Artikel des täglichen Bedarfs. Heute gehören dazu auch Autos, Haushaltsgeräte, Gemüse, Obst und andere Konsumgüter. Auch lokale Spezialitäten werden mittlerweile per Bahn in andere Regionen transportiert, beispielsweise Äpfel aus Nyingchi und Shannan, die nach Nepal exportiert werden. Mit Stand April 2026 wurden über die Bahnstrecke zwischen Qinghai und Xizang mehr als 100 Millionen Tonnen Güter nach und aus Xizang befördert.
Von Beginn an stand die Eisenbahn zudem vor einer weiteren Herausforderung: Wie lässt sich das Qinghai-Xizang-Plateau - Quellgebiet mehrerer großer asiatischer Flüsse und ökologische Sicherheitsbarriere von globaler Bedeutung - überqueren, ohne eine der unberührtesten Hochgebirgslandschaften der Welt zu schädigen?
An einigen Abschnitten wurden die Gleise auf Brücken verlegt, sodass darunter Platz für die Wanderung von Tibetantilopen und anderen Tieren blieb. Entlang der Strecke wurden 33 spezielle Wildtierpassagen mit einer Gesamtlänge von fast 60 Kilometern errichtet, um die Wanderrouten offen zu halten. Die Arbeiter renaturierten zudem Hochgebirgswiesen und pflanzten Grüngürtel, die sich mittlerweile über mehr als 1.000 Kilometer erstrecken.
Dank nachhaltiger Naturschutzbemühungen ist der Bestand der Tibetantilopen in der autonomen Region von einem kritischen Stand von 70.000 Tieren Ende der 1990er Jahre auf mehr als 300.000 angestiegen.
Hao Baojun, ein Bahnmitarbeiter, der seit 40 Jahren auf dieser Strecke tätig ist und mehr als 300.000 Fotos von der Trasse aufgenommen hat, erinnert sich noch daran, als Wildtiere vom Zug aus schwerer zu sehen waren.
„In den ersten Jahren nach der Eröffnung der Bahnstrecke war es schwierig, Tibetantilopen oder wilde Kiangs zu fotografieren“, sagte Hao. „Heute kann man sie vom Zug aus oft neben den Gleisen laufen sehen.“





