GENF, 18. Juli (Xinhua) -- Einige internationale Forschungseinrichtungen stufen Finanzierungen durch chinesische Geschäftsbanken offenbar fälschlicherweise als Subventionen ein. Dies geschieht insbesondere, weil sie sich auf Maßstäbe stützen, die von den marktwirtschaftlichen Realitäten in Entwicklungsländern losgelöst sind, was zu irreführenden Schlussfolgerungen führt, heißt es in einem kürzlich auf der Website des Weltwirtschaftsforums (WEF) veröffentlichten Artikel.
Aktuelle Berichte von internationalen Organisationen wie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Industriepolitik argumentieren, dass chinesische Geschäftsbanken chinesischen Unternehmen massive Finanzierungen „unter Marktniveau“ gewähren. Dies werde als Beweis für groß angelegte Industriesubventionen in China angeführt, heißt es in dem Artikel, der von Yang He, dem Generalsekretär der China Modern Finance Society, gemeinsam mit drei weiteren Experten verfasst wurde.
Die Autoren argumentieren jedoch, dass diese Studien häufig „Marktbenchmarks“ als Referenz nutzen würden, die die tatsächlichen Bedingungen des chinesischen Finanzsystems und der Kreditvergabepraktiken von Geschäftsbanken nicht widerspiegeln würden. Deshalb würden Unternehmenskredite, die zu Zinssätzen unterhalb dieser künstlichen Benchmarks vergeben werden, fälschlicherweise als Subventionen angesehen.
So wird in dem Artikel beispielsweise darauf hingewiesen, dass die Gleichsetzung des chinesischen „Loan Prime Rate“ (LPR) mit einer risikofreien Benchmark zu der falschen Annahme führen würde, dass jeder Kreditzins unterhalb des LPR von Natur aus unter dem Marktniveau liegt. In Wirklichkeit würde der LPR jedoch lediglich als Referenzzinssatz für die Preissetzung bei Krediten dienen. Geschäftsbanken würden eine differenzierte Preisgestaltung anwenden, indem sie die Spreads entsprechend den spezifischen Profilen der Kreditnehmer anpassen. Ein Kreditzins unterhalb des LPR spiegele also viel eher das geringe Kreditrisiko des Kreditnehmers oder hochwertige Sicherheiten wider als das Vorliegen einer bevorzugten politischen Behandlung.
Darüber hinaus stellten die Autoren fest, dass die Anwendung der OECD-Methodik auf eine Stichprobe von Emittenten US-amerikanischer Unternehmensanleihen zu ähnlich weit verbreiteten „unter dem Marktniveau liegenden“ Finanzierungsergebnissen führen würde, was einmal mehr zeige, dass die Wahl der Benchmarks die Schlussfolgerung, ob eine Finanzierung subventioniert ist, grundlegend verzerrt habe.
Durch die Rekonstruktion einer besser vergleichbaren Marktbenchmark, die auf die Gegebenheiten der chinesischen Finanzmärkte und des Unternehmenssektors zugeschnitten ist, kam der Artikel zu dem Ergebnis, dass die durchschnittlichen Finanzierungskosten der untersuchten Unternehmen tatsächlich 0,2 Prozentpunkte über der Marktbenchmark gelegen hätten. Zudem entspricht die Rentabilität der großen chinesischen Geschäftsbanken derjenigen ihrer wichtigsten Konkurrenten in den USA, Europa und Japan - und übertrifft diese in einigen Fällen sogar -, was laut den Autoren zeige, dass keine systemischen Rentabilitätseinbußen in Kauf genommen werden würden, um Finanzierungen „unter Marktniveau“ anzubieten.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Einführung rationalerer und angemessenerer Marktbenchmarks unerlässlich sei, um die Genauigkeit, Glaubwürdigkeit und Fairness internationaler Subventionsbewertungen zu verbessern.
