
Das Foto zeigt den Seerosenteich im Tropischen Botanischen Garten Xishuangbanna der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) in der Autonomen Präfektur Xishuangbanna der Dai in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas, 23. Juli 2026. (Xinhua/Xiong Xuan'ang)
KUNMING, 13. August (Xinhua) -- Mitten im Sommer strömen Touristen in den Tropischen Botanischen Garten Xishuangbanna (XTBG) in der südwestchinesischen Provinz Yunnan, posieren auf riesigen Seerosen für Fotos oder reichen sich die Hände, während sie die massiven Stämme hoch aufragender Regenwaldbäume umfassen.
Hinter diesem besucherfreundlichen Spektakel treibt der Botanische Garten in der Region Xishuangbanna in Yunnan auch internationale Bemühungen zum Schutz von Elefanten in Laos, Leoparden in Sri Lanka und der Artenvielfalt im gesamten tropischen Asien voran. Hier versammeln sich Wissenschaftler aus ganz Asien und darüber hinaus, um tropische Pflanzen und die natürlichen Lebensräume großer Säugetiere zu erforschen und so die Naturschutzbemühungen besser zu lenken.
Derzeit sind 111 internationale Forscher und Studierende am Botanischen Garten, der der Chinesischen Akademie der Wissenschaften untersteht. Obwohl nur ein kleiner Teil der chinesischen Landmasse in den Tropen liegt, trägt das Institut dazu bei, eine neue Generation von Forschern auszubilden, um Regenwälder auf der ganzen Welt zu schützen.
Jose Ahimsa Campos-Arceiz, ein spanischer Forscher am Botanischen Garten, lobte das Institut als „eine sehr gute Brücke“ zwischen Chinas Naturschutzbemühungen und der gesamten tropischen Welt.
FRUCHTBARER BODEN FÜR TROPISCHE FORSCHUNG
Als Campos-Arceiz vor zwei Jahrzehnten zum ersten Mal die tropischen Regenwälder von Xishuangbanna betrat, um dort eine Kurzzeitausbildung als Wildbiologe zu absolvieren, wusste er, dass er eines Tages zurückkehren würde. Nur wenige Orte, so sagte er, böten ein besseres natürliches Labor für die Erforschung tropischer Pflanzen und Wildtiere.
Der spanische Forscher leitet nun das Team „Wildlife Interactions & Conservation“ des XTBG, nachdem er 2020 für eine Langzeitforschung an das Institut gekommen war. Sein Team untersucht, wie Elefanten ihre Nahrung auswählen, wie ihre Aktivitäten die Waldstrukturen verändern und, im weiteren Sinne, wie die Pflanzenvielfalt das Überleben großer Säugetiere sichert.
Asiatische Elefanten sind für Nahrung, Schutz und Wanderrouten in hohem Maße auf die Vegetation des Regenwaldes angewiesen. Die große und gut erhaltene Pflanzenvielfalt von Xishuangbanna biete die ökologische Grundlage für die Erforschung asiatischer Elefanten und anderer großer Säugetiere, so der Forscher.
Der 1.125 Hektar große Botanische Garten bewahrt 250 Hektar intakten Primärregenwald und beherbergt mehr als 14.000 Pflanzenarten, was ihn zu einem außergewöhnlichen natürlichen Labor für wissenschaftliche Forschung macht.
Zudem gelten Chinas Erfolge beim Schutz der Asiatischen Elefanten weithin als nachahmenswert. Das Land hat elf Naturschutzgebiete in den Lebensräumen der wildlebenden Asiatischen Elefanten eingerichtet. In Yunnan wurden mehr als 800 Hektar Land für den Anbau von Pflanzen reserviert, die von Elefanten bevorzugt werden. Dank jahrzehntelanger aktiver Schutzmaßnahmen ist Chinas Population wildlebender Asiatischer Elefanten von etwa 150 Tieren in den 1980er Jahren auf heute fast 400 gestiegen.
Campos-Arceiz führt diesen Fortschritt auf Chinas Investitionen in Finanzierung, Technologie und wissenschaftliche Fachkräfte sowie auf einen umfassenden Naturschutzansatz zurück, der Frühwarnsysteme, Entschädigungsmechanismen für durch Wildtiere verursachte Verluste und Schutzinfrastruktur zur Verringerung von Begegnungen zwischen Menschen und Elefanten kombiniert.
Ein weiterer Faktor, der ihn nach Xishuangbanna zog, war die Lage an Chinas Grenzen zu Südostasien, was die Region zu einem idealen Standort für grenzüberschreitende Naturschutzforschung macht.
Yunnans Erfahrungen bei der Förderung des Zusammenlebens von Menschen und Elefanten könnten wertvolle Erkenntnisse für Nachbarländer wie Laos und Myanmar liefern, sagte er.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde das Team von Campos-Arceiz nach Sri Lanka eingeladen, um bei der Bewältigung einer weiteren heiklen Herausforderung im Naturschutz zu helfen - Leoparden, deren Lebensräume sich mit Teeplantagen überschneiden.
In Sri Lanka ist Tee eine wichtige Lebensgrundlage für Millionen von Einwohnern. Doch viele Plantagen liegen innerhalb oder in unmittelbarer Nähe von Lebensräumen der Leoparden, was langjährige Konflikte zwischen Menschen und den vom Aussterben bedrohten Raubtieren schürt und in einigen Fällen zum Tod von Leoparden führt.
Frühere Bemühungen zum Schutz der Teeproduktion beruhten oft darauf, Wälder zu roden und Leoparden zu vertreiben. Ausgehend von Chinas Erfahrungen bei der Vereinbarkeit von Naturschutz, wirtschaftlicher Entwicklung und den Lebensgrundlagen der Bevölkerung habe das Team eine ökosystembasierte Lösung eingeführt, sagte Fang Chunyan, eine Forscherin in Campos-Arceiz’ Team.
Mithilfe fortschrittlicher Techniken zur Vegetationsplanung stellen die Forscher einheimische Nahrungsressourcen wieder her und schaffen ökologische Pufferzonen zwischen den Lebensräumen der Leoparden und den Teeplantagen, während sie gleichzeitig durchgehende Korridore erhalten, die es den Tieren ermöglichen, sich sicher durch die Landschaft zu bewegen.
Über Sri Lanka hinaus habe das Team seine grenzüberschreitenden Strategien zum Schutz der Asiatischen Elefanten weiter verfeinert und leiste wissenschaftliche Unterstützung für den Wildtierschutz und den Erhalt von Ökosystemen in der gesamten Lancang-Mekong-Region, so Fang.
AUSBILDUNGSSTÄTTE FÜR WISSENSCHAFTLER AUS ALLER WELT
Im Laufe der Jahre hat der Botanische Garten Wissenschaftler aus Ländern ausgebildet, die mit ähnlichen Naturschutzherausforderungen wie China zu kämpfen haben. Er nimmt regelmäßig Masterstudenten und Doktoranden aus süd- und südostasiatischen Ländern auf und bietet spezialisierte Programme zu tropischer Ökologie und zum Erhalt der Artenvielfalt an.
Der indonesische Postdoktorand Try Surya Harapan kam 2021 an den Botanischen Garten, um Asiatische Elefanten und Nashörner zu erforschen. „Nur wenige botanische Gärten in Asien verfügen über die Infrastruktur und das Fachwissen, um die Forschung sowohl zu tropischen Pflanzen als auch zu großen Säugetieren zu unterstützen“, sagte Harapan.
Während seiner Zeit in China entwickelte er ein umfassendes Konzept zur Minderung von Konflikten zwischen Mensch und Wildtieren, das speziell auf tropische Entwicklungsländer zugeschnitten ist. Seitdem wurde er eingeladen, seine Erkenntnisse in die nationale Naturschutzstrategie Indonesiens einzubringen und das in China erworbene Wissen und die dort erlernten Praktiken in seine Heimat zu übertragen.
Duangphachan Souvansai von der Nationaluniversität von Laos untersucht seit 2023 die Populationen Asiatischer Elefanten und die Vegetation ihres Lebensraums in Xishuangbanna.
„Chinas ausgereiftes System zum Schutz der Ökosysteme bietet wertvolle Erkenntnisse für Laos“, sagte er und wies darauf hin, dass Laos und Xishuangbanna ähnliche Klimabedingungen, Landschaften und grenzüberschreitende Elefantenwanderrouten aufweisen würden.
Hinter diesen Fortbildungsprogrammen steht ein umfangreiches Netzwerk internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit. Im Laufe der Jahre hat sich der Tropische Botanische Garten Xishuangbanna zu einem global vernetzten Zentrum für ökologische Forschung und Naturschutz entwickelt und Partnerschaften mit Institutionen in mehr als 50 Ländern und Regionen sowie mit internationalen Organisationen geknüpft.
Der Garten unterhält langjährige Beziehungen zu Universitäten, Forstbehörden und Umweltinstitutionen in Ländern wie Myanmar, Nepal, den Philippinen und Sri Lanka und arbeitet bei grenzüberschreitenden Pflanzenerhebungen, dem Schutz seltener Arten, der Wiederherstellung von Regenwäldern und der langfristigen Waldüberwachung zusammen.
Laut Xing Yaowu, dem Direktor des Botanischen Gartens, hat der XTBG zudem bilaterale Abkommen und Absichtserklärungen mit mehr als 20 Partnern in Asien, Europa und Ozeanien unterzeichnet, um die Spitzenforschung in der Tropenbiologie durch Plattformen zum Wissensaustausch, grenzüberschreitende gemeinsame wissenschaftliche Projekte und koordinierte Initiativen zum Schutz der Artenvielfalt voranzutreiben.
Die Arbeit am XTBG spiegelt Chinas umfassendere Vision von ökologischem Fortschritt wider. Das Land hat den ökologischen Fortschritt in seine Fünfjahres-Entwicklungspläne eingebunden und „Schönes China“ zu einem zentralen Ziel beim Aufbau eines in jeder Hinsicht modernen sozialistischen Landes gemacht.
Campos-Arceiz ist der Ansicht, dass die Auswirkungen des internationalen Ausbildungsmodells des Botanischen Gartens in den nächsten 20 bis 30 Jahren deutlicher werden. Wenn die zurückgekehrten Stipendiaten in ihren Heimatländern Forschungsprogramme ins Leben rufen und junge Wissenschaftler betreuen, werden sie voraussichtlich dauerhafte wissenschaftliche Kapazitäten für die tropische Ökologieforschung in den Entwicklungsländern aufbauen.
