Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump treffen sich zu einem privaten Gespräch in Zhongnanhai in der chinesischen Hauptstadt Beijing, 15. Mai 2026. (Xinhua/Yan Yan)
BEIJING, 22. September (Xinhua) -- Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping wird zu einem Staatsbesuch und einem wegweisenden Treffen mit US-Präsident Donald Trump nach Washington reisen.
Mit dem bevorstehenden Besuch werden die beiden Präsidenten voraussichtlich innerhalb weniger Monate ihre gegenseitigen Besuche abschließen. Die Reise ist Xis zweiter Staatsbesuch in die Vereinigten Staaten nach seinem ersten im Jahr 2015.
Mehr als ein Jahrzehnt später hat die wichtigste bilaterale Beziehung der Welt einen holprigen Verlauf genommen. Wie Beijing und Washington ihre Beziehungen gestalten - und Raum für Zusammenarbeit finden - ist für beide Länder und die ganze Welt von zunehmender Bedeutung.
NEUE VISION
Als Xi im Mai Trump in Beijing empfing, eröffnete er die Gespräche mit drei Fragen:
„Können China und die Vereinigten Staaten die Thukydides-Falle überwinden und ein neues Paradigma für die Beziehungen zwischen großen Ländern schaffen? Können wir globale Herausforderungen gemeinsam bewältigen und der Welt mehr Stabilität verschaffen? Können wir gemeinsam eine strahlende Zukunft für unsere bilateralen Beziehungen gestalten, im Interesse des Wohlergehens beider Völker und der Zukunft der Menschheit?“
Die Fragen wurden vor dem Hintergrund jahrelanger Turbulenzen in den bilateralen Beziehungen gestellt, die von Handelsstreitigkeiten bis hin zu Technologiebeschränkungen reichten. Xi hat wiederholt betont, wie wichtig es sei, den richtigen Weg für ein gutes Miteinander der beiden globalen Großmächte zu finden.
Der Gipfel in Beijing verlieh diesen Bemühungen neuen Schwung. Xi und Trump haben sich auf eine neue Vision geeinigt, in den nächsten drei Jahren und darüber hinaus konstruktive chinesisch-amerikanische Beziehungen der strategischen Stabilität aufzubauen.
„Es ist das erste Mal seit mehr als einem Jahrzehnt, dass China und die Vereinigten Staaten einen Konsens darüber erzielt haben, wie die Beziehungen definiert werden sollen, den die Staatsoberhäupter beider Seiten weitgehend anerkennen“, sagte Da Wei, Direktor des Zentrums für Internationale Sicherheit und Strategie an der Tsinghua-Universität.
Seit einiger Zeit entwickeln sich die chinesisch-amerikanischen Beziehungen entlang des von den beiden Staatsoberhäuptern vorgezeichneten Kurses weiter. „Die Staatschef-Diplomatie ist der Anker der chinesisch-amerikanischen Beziehungen“, sagte der chinesische Außenminister Wang Yi am Donnerstag in einem Telefongespräch mit US-Außenminister Marco Rubio zur Vorbereitung des bevorstehenden Gipfeltreffens.
Seit Trumps Wiederwahl hat Xi den Kontakt zu ihm auf verschiedene Weise aufrechterhalten, etwa durch Treffen von Angesicht zu Angesicht und Telefonate, von denen einige auch in ungezwungener Atmosphäre stattfanden.
Während des Besuchs im Mai lud Xi Trump zu einem privaten Treffen nach Zhongnanhai, dem Führungskomplex im Zentrum Beijings, ein - eine Einladung, die nur wenigen ausländischen Staatschefs zuteilwird.
Xi und Trump schlenderten durch den Garten, unterhielten sich und hielten ab und zu inne, um die hoch aufragenden alten Bäume und die in voller Blüte stehenden chinesischen Rosen zu bewundern.
„Während Präsident Trump hofft, Amerika wieder groß zu machen, setze ich mich dafür ein, das chinesische Volk zum nationalen Wiederaufleben zu führen“, sagte Xi später, als sich die beiden Staatsoberhäupter zu einem Gespräch bei einer Tasse Tee zusammensetzten.
Xi forderte beide Seiten auf, den richtigen Kurs beizubehalten, Störungen zu vermeiden und die stetige Entwicklung der bilateralen Beziehungen zu fördern.
Solche Momente abseits des formellen Verhandlungstisches sind zu einem Markenzeichen von Xis Begegnungen mit Trump geworden und bieten einen persönlicheren Rahmen, um mehr über die jeweiligen Länder und Sichtweisen zu erfahren.
Ähnliche Interaktionen reichen bis zu Xis erstem Treffen mit Trump im Jahr 2017 zurück. In Mar-a-Lago, Trumps privatem Anwesen in Florida, überreichte Xi ihm ein chinesisches Kalligraphie-Werk mit einem alten Sprichwort: „Ein neunstöckiger Turm erhebt sich aus einem Erdhaufen; eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt.“
Die Botschaft enthielt eine Metapher für die Beziehung, die Xi sich zwischen den beiden Ländern erhoffte. Er erklärte Trump, dass die beiden Staatsoberhäupter diejenigen in beiden Ländern mobilisieren könnten, die den guten Willen und die Begeisterung für den Ausbau der chinesisch-amerikanischen Beziehungen teilen würden. So könne man das Gebäude der Beziehung Stock für Stock errichten - und es stärker, höher und prächtiger machen.
BALLAST
Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sollten weiterhin als Ballast und treibende Kraft für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen dienen, anstatt ein Stolperstein oder ein Reibungspunkt zu sein, sagte Xi 2025 im südkoreanischen Busan zu Trump. Xi hat die chinesisch-amerikanischen Beziehungen oft mit einem riesigen Schiff verglichen, für das Ballast entscheidend ist, um auch in rauen Gewässern auf Kurs zu bleiben.
Nach der Einführung hoher US-Zölle im Jahr 2025 reagierte Beijing mit entschlossenen Gegenmaßnahmen, setzte aber gleichzeitig die Verhandlungen mit Washington fort, um die Differenzen beizulegen. Als sich Xi und Trump in Beijing trafen, hatten ihre Wirtschafts- und Handelsteams „im Großen und Ganzen ausgewogene und positive Ergebnisse“ erzielt.
Der Dialog wurde seitdem fortgesetzt. Die jüngste Gesprächsrunde, die offen, tiefgehend und konstruktiv verlief, wurde am Sonntag in New York abgeschlossen.
In einem Handelskrieg gebe es keine Gewinner, hat Xi wiederholt betont, sowohl in seinen Gesprächen mit Trump als auch auf der internationalen Bühne. „Die Fakten werden beweisen, dass eine Abkopplung und die Unterbrechung von Lieferketten unseren Entwicklungsprozess nicht aufhalten werden, und dass das Verfolgen der Strategie ‚kleiner Hof, hohe Zäune‘ nur dazu führt, sich selbst einzuschränken und die Welt zu spalten“, sagte Xi auf dem kürzlich zu Ende gegangenen BRICS-Gipfel in Neu-Delhi.
Diese Botschaft stand auch im Mittelpunkt von Xis Bemühungen um die amerikanische Wirtschaft. Im März 2024 traf er sich in Beijing mit Vertretern aus der US-amerikanischen Wirtschaft, strategischen sowie akademischen Kreisen. Er erklärte den Anwesenden, dass der jeweilige Erfolg Chinas und der Vereinigten Staaten eine Chance für beide Seiten darstelle.
Während des Besuchs im Mai setzte sich Xi in der Großen Halle des Volkes in Beijing mit Trump zusammen, neben mehr als einem Dutzend Führungskräften einiger der bedeutendsten amerikanischen Unternehmen, darunter Apple, Nvidia, Tesla und Boeing.
Trump stellte Xi die Wirtschaftsführer nacheinander vor und unterstrich damit die Bedeutung, die er der Delegation beimaß.
„Beide Seiten, die Vereinigten Staaten und China, haben ein großes Interesse an konstruktiver strategischer Stabilität“, sagte Robert Lawrence Kuhn, ein US-amerikanischer Wissenschaftler und langjähriger China-Beobachter.
Von Künstlicher Intelligenz und der Eindämmung des Klimawandels bis hin zu öffentlicher Gesundheit und Drogenbekämpfung gebe es zahlreiche Themen, die sowohl China als auch die Vereinigten Staaten beträfen, fügte Kuhn hinzu.
Anstatt zu erwarten, dass Washington und Beijing plötzlich perfekt zusammenarbeiten würden, so Kuhn, sollte das unmittelbarere Ziel darin bestehen, Streitigkeiten über Zölle, kritische Mineralien und andere Themen zu verhindern, die zu einer weiteren Eskalation führen könnten.
BRÜCKEN ÜBER DEN PAZIFIK BAUEN
„Freundschaft, die aus engen Kontakten zwischen den Menschen entsteht, ist der Schlüssel zu soliden zwischenstaatlichen Beziehungen“, hat Xi gesagt. Seiner Ansicht nach wurde das Fundament der chinesisch-amerikanischen Beziehungen von den beiden Völkern gelegt.
Anlässlich der offiziellen Ankündigung von Xis USA-Besuch am Montag wurde seine jüngste Antwort an amerikanische Studenten veröffentlicht. In seinem Brief ermutigte Xi sie, ein größeres gegenseitiges Verständnis und eine stärkere Verbundenheit zwischen den Menschen beider Länder zu fördern und die stetige und nachhaltige Entwicklung der bilateralen Beziehungen voranzutreiben.
Als die chinesisch-amerikanischen Beziehungen einen Tiefpunkt erreichten, richtete Xi seinen Blick auf die Zukunft - auf die jungen Menschen. Die Jugend, so glaubt er, trägt die Zukunft und die Hoffnung dieser Beziehung.
Während seiner Reise nach San Francisco zum APEC-Gipfel im Jahr 2023 kündigte Xi eine Initiative an, im Laufe der nächsten fünf Jahre 50.000 junge Amerikaner zu Austausch- und Studienprogrammen nach China einzuladen. Mit Stand Mai dieses Jahres war das Ziel bereits zweieinhalb Jahre früher als geplant erreicht worden.
Viele Teilnehmer haben Xi geschrieben und ihm für die Gelegenheit gedankt, China mit eigenen Augen zu sehen und Freundschaften mit ihren chinesischen Altersgenossen zu schließen. Xi wiederum hat junge Menschen aus beiden Ländern ermutigt, „Botschafter der Freundschaft“ zu werden, die eine Brücke über den Pazifik schlagen.
Die Sommerumfrage 2026 des Reagan Institutes ergab, dass jüngere Amerikaner China deutlich seltener als große Bedrohung für die Vereinigten Staaten betrachteten.
Die Betonung der zwischenmenschlichen Beziehungen geht über die jüngere Generation hinaus. Seit Jahrzehnten hält Xi den Kontakt zu seinen alten Freunden in Iowa aufrecht, die er 1985 während seiner ersten Reise in die Vereinigten Staaten kennengelernt hatte. Zudem korrespondiert er mit Veteranen der „Flying Tigers“ aus dem Zweiten Weltkrieg und erinnert an die Bande, die damals zwischen den beiden Völkern geknüpft wurden.
„Wir sollten weitere Brücken bauen und weitere Wege für zwischenmenschliche Begegnungen ebnen“, sagte Xi einmal. „Wir dürfen keine Barrieren errichten oder eine abkühlende Wirkung hervorrufen.“
Im Vorfeld von Xis USA-Besuch ging im Internet eine weitere Geschichte über eine Freundschaft über den Pazifik hinweg viral.
Im Jahr 1999 spendete der amerikanische Lehrer Ronald Sakolsky 5.000 US-Dollar, um die Baumpflanzaktionen der Chinesin Yin Yuzhen zur Bekämpfung der Wüstenbildung in der Inneren Mongolei in Nordchina zu unterstützen. Mit dem Geld legte Yin einen Wald mit mehr als 50.000 Bäumen an.
Als Sakolsky und Yin sich im August in China wiedersahen, wurde er gefragt, welche Botschaft er mit nach Hause in die Vereinigten Staaten nehmen wolle. Seine Antwort lautete schlicht: „Brücke.“
Sakolsky sagte, er glaube, dass das bevorstehende Treffen zwischen Staatspräsident Xi und Präsident Trump dazu beitragen könne, diese Brücke zu bauen.
„China ist bereit, die Brücke wieder aufzubauen“, sagte Sakolsky. „Ist Amerika bereit? Ich glaube schon.“
